50 mm

Großartige Augenblicke festhalten - mit dem Normalobjektiv

Die Vorteile des 50mm-Objektivs, Teil 1: Auf Reisen

16. Juli 2016

Bürgerhaus in Potsdam, erbaut 1785 von Baumeister: Johann Rudolf Heinrich Richter

Mir fiel bei unserem letzten Besuch in Potsdam dieses Bürgerhaus am Ende der Brandenburger Straße am Platz vor dem Brandenburger Tor auf. Wundervoll verziert und in schönem Rot sich gegen den blauen Himmel abhebend. Doch als ich näherkam, sah ich, dass die morbide Schönheit schon beträchtlich vor sich hin bröckelte. Schade, fand ich, dass sich bis jetzt noch niemand gefunden hat, dieses Haus wieder aufzuarbeiten, denn immerhin steht es auf Potsdams Liste denkmalgeschützter Gebäude.

Kompaktes Reiseobjektiv

50mm-Objektive sind in ihrer Bauweise meist sehr kompakt, d.h. kurz und leicht im Vergleich mit anderen Objektiven. Das Canon EF 50 mm f 1:1,8 STM hat eine Länge von nur ca. 4 cm und dabei ein Gewicht von 160 g. Im Vergleich dazu hat das Canon EF-S 18-55mm f/3,5-5,6 IS II, das im Kit vielen Canon Kameras beigefügt wird, eine Länge von ca. 7 cm bei einem Gewicht von 200 g.

Alle Hersteller von Spiegelreflex- und Systemkameras bieten 50-mm Objektive an, somit wirst Du Dein 50 mm finden.

Eine scharfe Sache

"Normalobjektive", wie sie sich genannt werden, machen oft schärfere Fotos als zum Teil erheblich teurere Zoomobjektive. Der Hauptgrund liegt in der festen Brennweite. Objektive weisen Fehler auf, die der Hersteller korrigieren muss. Nun liegt der Aufwand dafür bei einem Zoomobjektiv, bei dem ja ein ganzer Brennweitenbereich korrigiert werden muss, höher, als bei einem Objektiv, das eine feste Brennweite hat. Traumflieger.de hat eine Vergleichstabelle erstellt, mit der man sich ein recht gutes Bild von der Qualität dieser Objektive machen kann.

Auch wenn man eine Sony-Kamera besitzt, kann man dort Testergebnisse entsprechender Objektive nachlesen.

Hast Du ein Nikon-Kamerasystem, dann bist Du bei Ken Rockwell an einer der besten Adressen. Das Nikon 50mm-Objektiv bezeichnet er als eines der besten aus dem System obwohl es im unteren Preissegment liegt. In seinem Bericht "The Ten Best Lenses of Nikon" ist es das erste Objektiv, über das er schreibt.

Auch für PENTAX-Nutzer ist die Seite von Ken Rockwell eine Fundgrube. Hier der Link zu der Seite, auf der er das 50mm-Objektiv von PENTAX beschreibt.

Oben ganz schön helle

Normalobjektive gehören zu den lichtstarken Objektiven. Ihre größte Blendenöffnung ist größer als die anderer Objektive und sie lassen deshalb mehr Licht auf den Sensor. Dadurch kannst Du an der Kamera kürzere Belichtungszeiten einstellen und du kannst auch in dunklerer Umgebung ohne Stativ oder Blitz fotografieren.

Dämmerung. ISO 3200, 1/30 s, Blende 1,8 (ohne Stativ), 50mm Normalobjektiv

Im Zeitalter digitaler Kameras, bei denen ISO-Werte von 3200 und darüber nichts Besonderes mehr sind und viele Kameras und Objektive mit Bildstabilidatoren ausgestattet sind, magst du dich fragen, wozu Geld in lichtstarke Objektive zu investieren? Es erlaubt Dir, auch diesen weiten Bereich noch zu erweitern.

Im Wasamuseum in Stockholm ist es erlaubt, zu fotografieren, aber ohne Stativ und ohne Blitz - und die Räume sind sehr dunkel. Mit Hilfe der höchsten ISO-Einstellung meiner Kamera und meinem Normalobjektiv (größte Blende f=1,8) gelangen mir dennoch sehr gute Fotos.

Mein Universalzoom hat bei 50 mm eine Lichtstärke von f=4. Das sind zum Normalobjektiv mit f=1,8 zweieinhalb Blenden Unterschied und das Normalobjektiv lässt somit mehr als vier mal soviel Licht durch.

Vielseitig

Trotz der festen Brennweite ist dieses Objektiv auch für die Reise eine sehr vielseitige Optik. So erlaubt es,

  • Sehenswürdigkeiten in großer Ansicht,
  • im Detail
  • aber auch Portraits
  • oder Pflanzen aufzunehmen (wenn sie nicht zu klein sind).
  • Für Museen und am Abend eignet es sich aufgrund seiner hohen Lichtstärke.

Der Nachteil, der zum Vorteil werden kann

Der Nachteil, wie eigentlich bei jeder festen Brennweite, ist der, dass Du mit diesem Objektiv weder herein- noch hinauszoomen kannst. Der Aufnahmewinkel ist nicht verstellbar. Somit bist Du oft von Deinem Motiv entweder zu weit weg oder zu dicht dran. Ich finde, das macht gar nichts, denn dann kommen wir beim Fotografieren in Bewegung. Wir müssen uns um unser Motiv bewegen: näher ran, oder weiter weg, etwas nach links oder rechts oder gar auf die andere Seite. Du lernst dabei Dein Motiv kennen, lernst es anders zu sehen und lernst, Dein Motiv bestmöglich in den Rahmen, den Dir das Normalobjektiv bietet, einzufügen.

Maxime für gute Fotografie

04. Juli 2016

Alter Citroen in Potsdam

Mach Dir klar, was Du fotografieren willst!

Das ist doch Unfug! Eben nicht. Schau Dir die nächsten beiden Bilder an. Zunächst das obere.

Beantworte Dir folgende Frage: Was wollte der Fotograf fotografieren?

Die Häuserreihe im Vordergrund?
Den Fluß?
Die beiden Bäume?
Sollte es eine Stadtansicht werden?

Irritierend, nicht wahr?

Bei diesem Foto ist die Absicht des Fotografen nicht zu erkennen und das Auge irrt auf dem Bild umher, ohne wirklich einen Bezugspunkt zu finden. Wie sieht es bei dem zweiten Foto aus? Was ist hier die Absicht des Fotografen?

Ich stand oben auf der Burg Hirschhorn am Neckar und sah auf die Stadt hinunter, die sich schon fast zärtlich auf dem engen Raum zwischen Fluß und Berg an den steilen Hang lehnte. Ich sah hinunter auf die von der Sonne angestrahlten Dächer, die alle eine eine einheitliche Farbe hatten, aber doch im Ganzen ein interessantes unregelmässiges Muster bildeten - und als kleines Schmankerl - steht da dieser leuchtend weiße Porsche auf der Uferstraße. Merkt Ihr, das Auge wird durch das Bild geführt. Das Bild wird dadurch interessant.

Übe es immer wieder, wenn Du auf den Auslöser drücken möchtest, und frage Dich, was Du eigentlich fotografieren willst. Das kann ein Mensch sein, ein Gegenstand, aber auch ein Gefühl, das Du empfindest, ein Eindruck. Halte Dir das vor Augen und überlege, wie Du das, was Du empfindest, am Besten durch das Foto ausdrücken kannst.


Rücke Dein Motiv in den Fokus des Betrachters!

Nachdem Du weißt, was Du fotografieren willst, fotografiere dein Motiv so, dass der Betrachter das auch sieht. Wie geht das? Als Fotograf hast Du dazu viele Möglichkeiten:

  • Schärfe - Unschärfe
  • Kontrast Hell - Dunkel
  • Farbkontraste
  • Linienführung
  • Perspektive
  • Vordergrund - Hintergrund
  • Ausdruck

Schärfe und Unschärfe: Schau Dir bitte noch einmal das erste Foto dieses Blogeintrags an, den alten Citroen. Mich faszinierte dieses Auto! Er stand aber so ungünstig, dass einiges andere noch mit auf das Bild gekommen wäre, was vom eigentlichen Motiv, dem Wagen, abgelenkt hätte. Ich entschloss mich, die Vorderfront zu fotografieren und wählte mein 50mm-Objektiv dafür aus, weil ich da die Blende sehr weit öffnen konnte. Dadurch verschwimmt alles hinter dem Wagen in sanfter Unschärfe. Die Vorderfront - sein "Gesicht", sticht scharf daraus hervor und man weiß, worum es in diesem Foto geht.

Bild 1

Kontrast Hell und Dunkel: Mit Hell und dunkel lässt sich sehr gut arbeiten, um den Blick des Betrachters auf Dein Motiv zu lenken, denn der Mensch blickt für gewöhnlich zuerst auf die hellen Stellen eines Bildes. Bild 1.2: das Licht lenkt den Blick des Betrachters auf das Gesicht des Musikers. Es wirkt aber auch, wenn das dunklere Motiv in einer helleren Umgebung liegt.

Farbkontraste: Gibt es in Hülle und Fülle. Dabei kann man wählen zwischen harmonischen, starken, gegensätzlichen, sanften kräftigen Farben und Kombinationen aus ihnen. Im Beispiel (Bild 1.1) entschied ich mich für Messing und Aluminium. Die genoppte Oberfläche des Alukoffers wirkt nicht langweilig und ist dennoch gleichmässig und lässt den Glanz der Messingschraube doch gut wirken.

Linienführung: Auch Linien und geometrische Formen (Kreise, Rechtecke, Bögen) können auf das Motiv deuten. Im Bild 1.3 umspannen die gemauerten Bögen der italienischen Höfe in der Zitadelle Spandau das Brautpaar und lenken den Blick dadurch auf das Motiv.

Bild 2

Perspektive: Das Brautpaar steht in einer weiten Halle. Boden und Säulen tragen wesentlich zur Atmosphäre bei, drängen sich aber nicht in den Fordergrund sondern führen den Betrachter zum Paar (Bild 2.3).

Vordergrund und Hintergrund: Ein gleichmäßiger, ruhiger Vorder- oder Hintergrund kann den Schwerpunkt ebenfalls auf das Motiv legen. Er darf nicht unruhig sein, denn sonst lenkt er ab. In Bild 2.1 dient der weite, gepflasterte Platz als die Fläche, die das Motiv, die Braut und ihre Schwiegermutter, in sich aufnimmt und herausstellt.

Ausdruck: Auch ein spannender und ungewöhnlicher Gesichtsausdruck ist immer ein Anziehungspunkt. Das kann entweder inszeniert sein, wie hier im Bild 2.2, oder aber auch ein unbeobachteter Moment, geschickt eingefangen. Ich mag es am liebsten, Menschen zu fotografieren, wenn sie sich nicht beobachtet glauben. Ihr Gesicht wirkt da am ehrlichsten. Aber bitte, wenn Du Bilder von Menschen machst, frage sie bitte, ob Du ihr Bild verwenden darfst, bevor Du es veröffentlichst.

Nimm alles aus dem Foto, was ablenkt und nicht zur Bildaussage beiträgt!

Das dritte, das Du tun musst, ist alles Störende aus dem Bild zu entfernen. Beispiele sind:

  • allgemein unruhiger Vorder- oder Hintergrund
  • Straßenlaternen, Strommasten, Leitungen, Bäume, Autos, ... Dinge, die eben nichts zu Deinem Motiv beigragen
  • besonders tückisch: Gegenstände, die hinter Personen stehen. Es sieht dann aus, als ob sie aus den Körpern oder Köpfen der Menschen ¨herauswachsen¨.

Was ist da zu tun? Du bist schließlich kein Maler, der Überflüssiges auf der Leinwand einfach weglassen, Gegenstände an anderer Stelle einfügen oder eine ganz andere Perspektive aufsetzen kann, ganz wie es ihm gefällt! Folgendes kann Dir dabei helfen.

  • Suche Dir einen ruhigen Vorder- oder Hintergrund, wenn möglich.
  • Suche Dir einen anderen Kamerastandpunkt um Dein Motiv oder verändere den Standpunkt Deines Motivs, gehe in die Hocke, steige auf einen Stein. Damit kannst Du Störendes aus dem Bild ¨hinausbewegen¨.
  • Achte auf Gegenstände, die insbesondere aus Personen ¨herauswachsen¨. Du kannst das korrigieren, indem Du Deinen eigenen Standpunkt oder den Deines Models oder Motivs veränderst.

Du merkst, dass Du vieles erreichen kannst, indem Du Deinen Standpunkt oder den Deines Models veränderst. Oft genügt auch, dichter an Dein Motiv heranzugehen (s. Bild 3). Hast Du ein Zoomobjektiv, kannst Du vieles mit dem Zoom-Einstellring erledigen. Fotografierst Du mit einer Festbrennweite, zum Beispiel dem 50mm-Objektiv, dann musst Du dich bewegen: näher ran, weiter weg. Das bleibt nicht aus, lohnt sich aber. Das unterscheidet auch den Fotografen vom ¨Knipser¨, der seine Kamera benutzt, wo er gerade steht. Bewegst Du Dich aber, wie schon beschrieben, bekommst Du eindeutig bessere Fotos.

Bild 3

Diese drei Maximen fand ich vor einigen Jahren auf der Webseite des New York Institute of Photography. Leider sind diese Artikel aktuell nicht mehr zu finden, aber es finden sich dort weitere sehr gute lesenswerte Artikel und Tipps über Fotografie.

Das Fotomotiv "erarbeiten"

13. Juni 2016

Berlin-Spandau, Bürgerhaus, erbaut ca. 1750, Ende des preussischen Barock

Drei Stützen für gute Fotos

Gute Fotos fallen in aller Regel nicht in den Schoss. Es ist mehr, als nur auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Das 50mm-Objektiv ist Dir dabei ein wertvoller Begleiter, denn dadurch, dass Du den Bildausschnitt (das, was auf dem Bild nachher zu sehen ist) nicht durch den Zoomring verändern kannst, zwingt es Dich, selbst in Bewegung zu kommen - näher ran, weiter weg. Es verlangt, nach Lösungen zu suchen, wenn Dein Motiv nicht auf Anhieb ins Bild passt. Was immer Du fotografierst, achte auch auf diese drei Dinge:

  • Faszination für das Motiv. Ein Fotomotiv muss Dich ansprechen, es muss Dich faszinieren. Dann hat es Dein Interesse und Du bist bereit, in ein gutes Bild zu investieren.
  • Zeit ist das, was Du investieren musst. Der erste Blick auf ein Motiv ist nicht immer der Beste. Gehe etwas weiter weg vom Fotomotiv, oder näher heran. Laufe drum herum. Schau, wie das Licht fällt und die Schatten liegen. Schaue immer wieder durch die Kamera. Finde den richtigen Aufnahmewinkel. Probiere Neues aus: Geh in die Hocke, steige auf ein Mäuerchen...
  • Ausdauer. Manchmal scheint nichts zu funktionieren. Komm wieder. Schreib' Dir das in den Kalender. Komme wieder abends, oder früh am Morgen. Die Sonne steht da tiefer, das Licht erzeugt warme, tiefe Schatten. Versuch' es mal mit einem Regentag (Kamera unter der Regenhaube oder einem Schirm), oder gar zu einer anderen Jahreszeit.

Das Motiv "einkreisen".



Ein Detail des Bürgerhauses: Mauerblümchen an der Eingangstür.

Eigentlich sehnen wir uns nach etwas oder jemanden, an den wir uns anlehen können, das oder der uns Halt gibt, wenn wir im Zweifel sind, ähnlich wie das Blümchen im Foto, das zwar aussieht, als stünde es selbstbewusst für sich allein, und doch stützt es sich an der Mauer ab.

Bessere Fotos...

01. März 2016

Ulm, Sommerabend; 2015

Was braucht man für stimmungsvolle Fotos?

Was macht Fotos aus, die man in man in GEO, National Geographic, im Stern oder anderen Magazinen sieht? Warum berühren sie mich? Warum machen sie mich neugierig?

  • sie erzählen eine Geschichte,
  • sie zeigen etwas Außergewöhnliches,
  • sie vermitteln eine Stimmung, Emotion.

Es können ein, zwei oder auch als drei dieser Aspekte in einem Foto vorhanden sein, um das Interesse des Betrachters zu wecken. Ein Foto, dass man sich mehr als zwei Sekunden ansieht, ist sehr gut, und eines, dass man sich mehr als fünf Sekunden anschaut, ist außergewöhnlich.

Letzten Sommer besuchten wir Ulm. Wir waren gerade vor der Stadtmauer am Neckar und die Sonne näherte sich dem Horizont, als sich diese Wolkenwand am Himmel auftürmte. Dramatisches Licht, dramatische Wolken, dramatische Stimmung. Ich habe das Bild etwas unterbelichtet, denn die Automatik der Kamera belichtet bei Gegenlicht heller als notwendig. So konnte ich die Dramatik noch steigern.

Weitere Themen

Maxime für gute Fotografie
  • Mach Dir klar, was Du fotografieren willst.
  • Rücke Dein Motiv in den Fokus des Betrachters.
  • Nimm alles aus dem Foto, was ablenkt und nicht zur Bildaussage beiträgt.

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